Spielberichte Herren 1 2017

TC Nicolai sichert sich den Oberligaaufstieg in Herzschlagfinale gegen Stockach

Herren des TC Nicolai schreiben ein Stück Vereinsgeschichte

  Bezirksliga: TC Stockach – TC Nicolai Konstanz: 4:5 (2:4)

 

 

„Jetzt oder nie.“ Das war das Motto - taktgebend für den gesamten Saisonverlauf in der 1. Bezirksliga und vor allem für das alles entscheidende Aufstiegsspiel gegen den TC Stockach. Jahre wurde auf diesen Moment hingearbeitet und die gesamte Saisonvorbereitung war auf den sehnsüchtig erwarteten finalen Showdown ausgerichtet. In den Jahren zuvor war die Truppe um Führer Wigishoff stets knapp an übermächtigen Gegnern und / oder dem eigenen Unvermögen gescheitert. Sich der eminenten Wichtigkeit des Aufeinandertreffens mit dem TC Stockach bewusst, wurde in der unmittelbaren Vorbereitung nichts dem Zufall überlassen. So standen die Doppelaufstellungen für jeden möglichen Spielstand nach stundenlangen Besprechungen, spieltheoretischen Überlegungen und kontrovers geführten Diskussionen schon lange vor dem Tag X fest. Außerdem sorgte die von einer Sehnenscheidenentzündung zum Zuschauen verdammte Club-Ikone Wigishoff rigoros dafür, dass alle Schlüsselakteure bereits ab Freitag die von ihm verordnete Natriumchloriddiät und Nachtruhe einhielten (letzteres galt nicht für ihn selbst). Des Weiteren wurde am Samstag ein mannschaftsinternes Abendessen mit anschließendem Filmabend anberaumt, mit dem Ziel die Gedanken wenigstens für eine kurze Zeit vom Tennis abzulenken. Dies war allerdings nur teilweise von Erfolg gekrönt: „Ich habe während des Films zu 90% an Tennis gedacht“, resümierte Sportwart Bertsche beim kollektiven Auffüllen der Kohlenhydratspeicher am Sonntag vor dem Spiel.

 

Anschließend machte sich die Turbenriedtruppe auf den Weg zum Endgegner. Dabei nahmen die acht Akteure unterschiedliche Fahrtrouten, um bei eventuellen Gefährdungssituationen das Ausfallrisiko zu streuen. Nach kurzem Aufwärmen fiel die geplante motivierende Ansprache aus. Jeder wisse was auf dem Spiel steht, solche Ansagen würden nur bei sehr dummen Menschen etwas bewirken, so ein ungewöhnlich aufgewühlter Bertsche knapp. Um zirka 30 Minuten verspätet begann die Partie im Hexenkessel von Stockach unter den Augen von etwa 100 Zuschauern, darunter auch einige Schlachtenbummler aus Konstanz.

 

Auf dem Center-Court trat Dennis Beermann, die sportliche Gallionsfigur des Teams, gegen den gebürtigen Singener Denis Brizic (CRO, DTB-A 522) an. Im Vorfeld war dieses Match von einigen Tennis-Experten des TC Nicolai ob der übermächtig erscheinenden LK1 Brizic’ auf dem Papier schon entschieden worden, jedoch besann sich Beermann auf seine makellose 3-0 Head-to-Head Statistik gegen diesen Gegner. Nach gutem Beginn sah sich Beermann aber relativ zügig mit einem 1:6-Satzrückstand konfrontiert. Davon unbeeindruckt zwang Platzwart und Tausendsassa Fabian Pfaff im zweiten Einzel des Tages seinem Kontrahenten Marvin Fiedler sein von der starken Vorhand geprägtes Spiel auf und konnte den ersten Satz dank eines für ihn ungewöhnlichen Blitzstarts mit 6:3 für sich entscheiden. Abermals bewies Pfaff, der Antipode eines Trainingsweltmeisters, dass in entscheidenden Momenten auf ihn Verlass ist. An Position sechs schlug TCN-Neuzugang Josh Demmler gegen Valentin Steinmann auf. Leicht gehemmt von Kulisse und Bedeutung des Spiels unterliefen ihm viele untypische Fehler und er geriet gegen seinen frei aufspielenden Gegner unter Druck. Der erste Satz ging mit 6:7 an den Youngster des TC Stockach. Ein holpriger Start. Im Vorfeld der Partie hatten die Strategiker vom Turbenried mit einer 3:0 Führung nach der ersten Einzelrunde geliebäugelt; nun galt es einen drohenden Rückstand zu vermeiden.

 

Glücklicherweise war Pfaff „on fire“. Auch im zweiten Durchgang wich er nicht einen Millimeter von seinem Matchplan ab; mit peitschenhiebartigen Vorhandgeschossen überforderte er sein Gegenüber immer wieder und sorgte so für den ersten Matchgewinn des TCN. Währenddessen spitzte sich die Lage auf den anderen beiden Plätzen zu. Demmler war es an diesem Tag leider nicht vergönnt, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Trotz aufopferungsvollen Kampfes musste er schließlich Steinmann, dem ein bemerkenswerter Balanceakt zwischen Genie und Wahnsinn gelang, nach einem 3:6 in Satz zwei zum Sieg gratulieren. Nun lag es an Beermann das Team wieder auf Kurs zu bringen. Mit einer Leistungssteigerung im dreistelligen Prozentbereich gestaltete er das Match ab Durchgang zwei ausgeglichen. Seine konsequente und offensive Taktik wurde in der Endphase des zweiten Satzes mit wichtigen Punktgewinnen belohnt, und so ging es in den alles entscheidenden Matchtiebreak. Beermann, der seit wenigen Wochen seine altbekannten Comebackerqualitäten mit neu gewonnener Nervenstärke paart, war nun nicht mehr zu stoppen. Gegner Brizic wurde nach jedem zu kurz geratenen Ball von links nach rechts geschickt und hatte nur noch wenig Einfluss auf den Spielverlauf. Am Ende stand ein 10:5 für den TCN zu Buche.

 

Bei einem Zwischenstand von 2:1 für den TCN ging es also in die zweite Einzelrunde. Im längsten Match des Tages duellierten sich Dominik Bertsche und Moritz Steinmann. Steinmann ließ zuletzt durch starke Auftritte bei diversen Turnieren in der Region aufhorchen und so kam es schließlich zum erwartet engen Match mit langen und durch Nervosität auf beiden Seiten geprägten Ballwechsel. Auch wenn Bertsche nach eigenen Angaben sehr „tight“ (angespannt, Anm. d. R.) war, behielt er die Nerven und gewann den sich zur Geduldsprobe entwickelnden ersten Satz mit 7:5. Zur gleichen Zeit nahm es Mid-Ager Jochen Haake mit dem 20 Jahre jüngeren Rodrigo Arus aus Uruguay, derzeit an Position 1285 der Welt geführt, auf. Haake wurde absichtlich in den vorherigen Spielen geschont; seine einzige Aufgabe in dieser Saison war es, Arus soweit es ging Paroli zu bieten. Trotz einer couragierten Leistung musste er sich deutlich mit 0:6 und 1:6 dem übermächtigen Arus, der für Uruguay auch schon im Davis-Cup angetreten ist, geschlagen geben. Nichtsdestotrotz kann der Einsatz Haakes nicht überschätzt werden, da sich die Siegchance des restlichen Teams dadurch erhöhte; ein Geniestreich der Tennisstrategen.

 

Zu guter Letzt betrat traf der hochgewachsene Hüne Hellmeier auf die große Unbekannte des gegnerischen Teams, Niklas Staniszewski. Dieser war erst im letzten Moment zur Stockacher Auswahl gestoßen, da er das vergangene Jahr mit College-Tennis in den USA verbracht hatte. Diese Personalrochade hätte die TCNler böse überraschen können, jedoch wurde Staniszewski einige Tage vor dem Spiel von Chefscout Pfaff erspäht. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Hellmeier versuchte von Beginn an, dem Gegner sein Spiel aufzuzwingen, scheiterte aber des Öfteren an den druckvollen Schlägen seines Gegners sowie der eigenen Nervosität. Viel hatte er sich für dieses Spiel vorgenommen. Jedoch brauchte es erst einen 2:6-Rückstand und aufmunterte Worte von Empathie-Träger Beermann bevor Hellmeier auf Touren kam. Im zweiten Satz zwang er seinen Gegner immer häufiger zu Fehlern und erarbeitete sich nach und nach auch einen psychologischen Vorteil. Deutlich gelang ihm ein 6:1 zum Satzausgleich. Im anschließenden Match-Tiebreak schlug unter dem wiederkehrenden Gebrüll seiner Mannschaftskollegen um Chef-Einheizer Strick eine krachende Vorhand nach der anderen im Spielfeld des Stockachers ein.  Am Ende hieß es 10:4. „Im Match-Tiebreak hättest du mir jeden hinstellen können, ich hätte gewonnen“, ließ ein sichtlich gelöster Hellmeier nach dem Spiel verlauten. Dieser Matchpunkt motivierte dann auch Bertsche im zweiten Satz zu Höchstleistungen. Mit einer unglaublichen Präsenz auf dem Platz gelang es ihm Steinmann weiter zu verunsichern und in die Enge zu treiben. Mit ungewohntem, aber sehr männlichen Offensivtennis gewann er schließlich auch den zweiten Satz mit 6:4. Damit stand es nach den Einzeln 4:2 für den TC Nicolai. Der Aufstieg schien zum Greifen nah.

 

Nur noch ein Punkt aus den abschließenden Doppelpartien fehlte zum lang ersehnten Aufstieg in die Oberliga – dieses Szenario war der Torkel-Sechs aus der vergangenen Spielzeit wohlbekannt, als man diesen scheinbar sicheren Vorsprung gegen den TC Radolfzell aus der Hand gegeben hatte. Die Tatsache, dass sich just vor den ausstehenden Entscheidungsmatches zwei Akteure eben jenes Oberligaabsteigers von der Mettnau auf der Stockacher Anlage zum Zuschauen einfanden, machte die Angst vor einem möglichen Déjà-Vu noch greifbarer. Doch 2017 ist nicht 2016, wusste das Team um Mannschaftskapitän Wigishoff. Wie oben bereits erwähnt stand die Doppelaufstellung für eine 4:2-Führung lange vor diesem Sonntag fest, um im Eifer des Gefechts nicht „wieder den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen“, wie es Chefanalyst Pfaff ausdrückte. Daher verkam die obligatorische Teambesprechung vor den Doppeln zu einem Schauspiel ohne jeden Inhalt, dessen einziges Ziel es war, dem Gegner einen Eindruck von Unentschlossenheit zu vermitteln. Es wurde entschieden, Spitzenspieler Jochen Haake aus der Aufstellung herauszunehmen und durch Allzweckwaffe Christian Strick zu ersetzen. Die Aufgabe Stricks, 14 Tage zuvor bereits mit der Herren 30 Vertretung des TC Nicolai in die Oberliga aufgestiegen, bestand darin, dem Team die durch Wigishoffs Verletzung verloren gegangene Gewinnermentalität einzupflanzen.

 

Während Beermann/Hellmeier sich im Zweierdoppel neben dem jüngeren der Steinmann-Brüder auch Weltranglistenspieler Arus gegenübersahen, rechnete man sich in der Spitzenpaarung mit Bertsche/Pfaff gegen Brizic/Staniszewski und im Dreierdoppel mit Demmler/Strick gegen Steinmann/Fiedler weitaus größere Chancen auf den entscheidenden fünften Siegpunkt aus. Die Partien entwickelten sich zunächst so wie erwartet. Beermann musste früh sein Aufschlagspiel abgeben und ob der sicheren Aufschlagleistung der Stockacher Paarung mussten er und sein norddeutscher Partner Hellmeier von Beginn an einem Rückstand hinterherlaufen und den Satz mit 4:6 abgeben. Auf den Plätzen eins und drei hingegen dominierten die Aufschlagspieler in den Frühphasen. Nach einigen vergebenen Breakbällen des Doppels Demmler/Strick mussten die Konstanzer selbst das erste Break hinnehmen. Es zeichnete sich eine Begegnung mit gleichen taktischen Anlagen ab, in der sich die Stockacher Kombination als die solidere herauskristallisierte, ein weiteres Break nachlegte und den ersten Satz mit 6:2 unter Dach und Fach brachte. Besser lief es auf dem Centercourt. Nachdem Bertsche beim Stand von 3:3 noch einen Breakball abwehren musste, bissen er und Partner Pfaff anschließend beim Aufschlagspiel Staniszewskis trotz ausbaufähiger Returnperformance eiskalt zu und schnappten sich das Aufschlagspiel des Gegners zum vorentscheidenden 5:3, das Pfaff anschließend sicher zum Satzgewinn ausservierte. Aufgrund der Tatsache, dass bei Pfaffs Spielgerät bereits beim Einspielen die Saite gerissen war und er immer wieder mit dem ungewohnten Gefühl des frisch bespannten Schlägers haderte, ein besonders wichtiger Satzvorsprung für den TCN. In der Folge konzentrierte sich das Geschehen zunehmend auf Doppel Nummer eins. Obwohl die anderen Konstanzer Paarungen alles in ihrer Macht stehende versuchten, um die Begegnungen möglichst lange offen zu halten, war mehr oder weniger klar, dass der Siegpunkt für den TCN nur auf dem Centercourt eingefahren werden konnte.

 

Unbehelligt von diesem aufkommenden Druck nutzten die Seehasen jede sich ihnen bietende Chance und zogen auf 5:0 davon. Noch ein Aufschlagspiel durchbringen, dann war man nach Jahren der Enttäuschungen endlich am Ziel angelangt. Trotz der klaren Führung kam Nervosität im Konstanzer Lager auf. Diese wurde zusätzlich durch das Verlassen der Anlage eines ehemaligen Radolfzeller Oberligaspielers verstärkt. „Warum gehen Zuschauer jetzt? Müssen die heim zum Essen oder wollen sie uns nicht zum Sieg gratulieren. Das haben ja sogar wir letztes Jahr noch geschafft, obwohl wir als die schlechtesten Verlierer der Welt dargestellt wurden.“ All diese und noch viel mehr Gedanken schwirrten wohl in Pfaffs Kopf herum, als er zur Meisterschaft aufschlug. Beermann/Hellmeier hatten bereits verloren, Demmler/Strick standen kurz davor. Folgerichtig kassierte der FH-Student unter der gütigen Mithilfe seines Kollegen sang- und klanglos den ersten Aufschlagverlust. Noch war der Vorsprung zwar groß, aber man wollte keine unnötige Spannung mehr aufkommen lassen. Wieder etwas verbessert konnte man sich in einem knappen Aufschlagspiel den ersten Matchball erarbeiten. Nur noch ein Punkt. Erster Aufschlag. Im Netz. Zweiter Aufschlag. Return reingezittert, Ball kommt cross zurück. Geht Brizic rein??? Wahrscheinlich. Also Vorhandschuss longline. Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!

Während sich die siegreichen Bertsche/Pfaff jubelnd in die Arme fielen, feierten Beermann und Hellmeier mit gebotener Zurückhaltung auf dem Nebenplatz und Alterspräsident Strick lief während eines laufenden Punktes mit ausgestreckter Hand zum Netz, um seinen Gegnern von ganzem Herzen zum Aufgabesieg zu gratulieren. Ein Stück Tennishistorie ward geschrieben.

 

An dieser Stelle möchten wir uns beim TC Stockach für ein tolles Aufstiegsspiel bedanken. Trotz der Wichtigkeit des Aufeinandertreffens für alle Beteiligten blieben die Spiele stets fair und es herrschte eine angenehme Atmosphäre. Die Erleichterung kannte keine Grenzen. Nach drei zweiten (2012, 2015, 2016) und einem dritten Platz (2013) hatte man den Aufstieg endlich erreicht. Dass dieser Erfolg in den vergangenen Jahren ausschließlich von Vereinen (TC Markdorf, TC BW Donaueschingen, TC RW Tiengen, TC Radolfzell) mit finanziellen Mitteln und Unterstützung von ausländischen Spielern erreicht wurde, macht diesen Erfolg für den TC Nicolai, der auf diese Hilfsmittel grundsätzlich verzichtet, noch wertvoller. Nun darf man sich zu den fünf besten Herrenmannschaften des Bezirks Schwarzwald-Bodensee zählen und sich nächstes Jahr mit namhaften Konkurrenten aus Freiburg und Karlsruhe messen.

 

Doch das war an diesem Sonntag Zukunftsmusik. Die Bezirksmeisterschaft wurde feuchtfröhlich in heimischen Gefilden auf der Clubanlage mit Stiefel und einer Konstanzer Lokalität bis zum Sonnenaufgang gefeiert. Diese Feier wurde von sich wiederholendem und widerhallendem Gegröle, in dem das Wort „Oberliga“ meist eine zentrale Rolle spielte, begleitet. Müßig zu erwähnen, dass bei der Feierei zum wiederholten Male einige Akteure überperformten, während andere deutlich hinter ihren Möglichkeiten und den an sie gerichteten Erwartungen zurückblieben. Doch auch diese Heterogenität wird Mannschaftsführer Wigishoff, der versprach sich 2018 wieder mehr auf Sonntage anstatt Frei- und Samstage zu konzentrieren, beseitigt werden, um noch geschlossener das Abenteuer OBERLIGA in Angriff zu nehmen. Abschließend sollte nicht unerwähnt bleiben, dass mit Robert Kraljevic (Neumitglied) jener Fan die Feierlichkeiten gegen 5.30 Uhr mitbeschloss, der sich gegen 13 Uhr als erster Konstanzer Supporter in Stockach eingefunden und keinen Ballwechsel verpasst hatte. Er kann damit stellvertretend für die tolle Unterstützung seitens des Vereins, die wir erfahren haben, gesehen werden. In diesem Zuge möchten wir noch vielen weiteren Gönnern und Sympathisanten unseres Teams danken. Um die Länge dieses Berichts einigermaßen in Grenzen zu halten und den geneigten Leser nicht zu überfordern, werden wir dies namentlich in einem gesonderten Schriftstück, das in einigen Wochen veröffentlicht werden wird, tun.   

 9:0 im Lokalderby - Der TC Nicolai marschiert

Showdown gegen den TC Stockach entscheidet über Oberliga-Aufstieg


Alles war angerichtet für ein attraktives Lokalderby gegen die erste Mannschaft des größten Tennisvereins der Stadt, doch wie schon häufiger in dieser Saison machte das Wetter den Mannen des TC Nicolai einen Strich durch die Rechnung. Als die Avantgarde um Platzwart Pfaff, Bertsche, Hellmeier und Wigishoff morgens um neun Uhr die Anlage betrat, erwartete sie ein Bild des Grauens. Die Plätze sahen aus als ob sie von einer Horde G20-Krawalltouristen als Bühne für falsch verstandene Kapitalismuskritik genutzt worden wären. Ein umgestürzter Baum auf dem „Wohnzimmer“ des angeschlagenen Wigishoff machte ein Spielen unmöglich. Sogleich erklärte Platzwart Pfaff die Plätze zur Sicherheitszone und stecke sich erst einmal eine selbstgedrehte Fluppe an. „Jede Woche der gleiche Mist. Waterboarding ist nichts im Vergleich zu den Leiden eines Platzwartes“, resignierte Pfaff. Ein Mann am Abgrund.

 

Nachdem der erste Schock verdaut und die ersten Liter Kaffee vernichtet waren, ging es daran zumindest drei Plätze in bespielbaren Zustand zu versetzen. Pfaff verteilte Aufgabengebiete gemäß individueller Stärken. So brillierte Wigishoff am Wasserhahn, versagte aber leider beim Getränkeausschank, wofür er folgerichtig von Bertsche – mittlerweile zu Pfaffs Handlanger Nummer eins aufgestiegen – zurechtgewiesen wurde. Hellmeier brachte unterdessen den Court-Buggy auf Platz vier an seine Grenzen. Schwerer körperlicher Arbeit eher abgeneigt, bereitete Joshua Demmler Brötchen mit Salatblättchen zu. Lecker. Unterdessen trafen auch die Wochenend-Touristen Beermann und Strick ein. Nach fünfstündiger Sisyphusarbeit konnten die Spiele dann endlich beginnen.

 

Gegner des heutigen Tages war die schwer einzuschätzende Mannschaft des TC Konstanz. Das Team war sehr gut in die Saison gestartet, hatte dann allerdings etwas nachgelassen. Obwohl die Machtverhältnisse in der Stadt eigentlich klar waren, bringt ein Lokalderby immer eine gewisse Brisanz mit sich bringt, sodass mit allem gerechnet werden musste. Den Anfang machte der quirlige Strick, der es mit Moritz Mathy zu tun bekam. Nach holprigem Start erlangte der passionierte Weinschorlentrinker immer besser die Kontrolle über das Spiel und gewann letztlich 6:3 6:3. Strick, auch in der Herren 30-Auswahl des Clubs aktiv, sagte nach dem Spiel: „Ich habe die bisherige Saison ausschließlich Seniorentennis gespielt und musste mich erst wieder an das Tempo gewöhnen.“

 

An Position vier ging Sebastian Hellmeier wie schon im letzten Jahr gegen Henning Bohn an den Start. Dieser stellte sich als unangenehmer Gegner heraus und machte Hellmeier, der nicht an die gute Leistung des vergangenen Wochenendes anknüpfen konnte, das Leben schwer. Letztlich sicherte sich das Nordlicht den ersten Satz (7:5) mit einem krachenden Ass durch die Mitte. Auch im zweiten Satz gab es zahlreiche Fehler auf beiden Seiten. Am Ende brauchte es ein weiteres Ass des Aufschlag- und Doppelfehlerwunders vom Deich, um den zweiten Sieg des Tages einzutüten (6:4).  

 

Das dritte Einzel des Tages bestritt Dominik Bertsche gegen wohlbekannten Daniel Hrušovský, der in bisher drei Partien gegen den TC Nicolai sieglos geblieben war. Auch heute sollte sich daran nichts ändern, obwohl das Spiel deutlich knapper wurde als erwartet. Der Adilettenträger und engagierte Ehrenämtler Bertsche entschied den ersten Satz zwar deutlich mit 6:2 für sich, verlor dann aber etwas den Faden und musste Hrušovský den ersten (und hoffentlich einzigen) Satzgewinn gegen den TC Nicolai zugestehen (3:6). Im Matchtiebreak zeigte Bertsche dann gewohnt Nervenstärke und siegte klar mit 10:5. Die drei Doppelfehler im MTB baute er nach eigener Aussage lediglich ein, um die Spannung für die zahlreichen Fans am Turbenried aufrechtzuerhalten.

 

An Position fünf trat Demmler gegen Marco Schaller an. Schaller bot eine ansprechende Leistung und machte es dem Jungspund des TCN nicht leicht. Dennoch ging der erste Satz mit 7:5 an Demmler. Auch im zweiten Satz wurde einiges fürs Auge des geneigten Zuschauers geboten, diesen Entschied Demmler aber deutlich klarer für sich (6:1). „Mir war wichtig, schöne Schläge zu zeigen. Tennis hat auch viel mit Ästhetik zu tun“, so Demmler nach dem Spiel.

 

Im „Doser + Partner Baugesellschaft mbH Topspiel des Tages“ spielte Dennis Beermann gegen Marc-Andre Fiedler. Beermann präsentierte sich in solider Form und ließ seinem Gegner wenig Chancen. Relativ schnell entschied der schnelle Stirnbandträger das Spiel mit 6:2 6:1.

 

Zu guter Letzt kam es noch zum Duell zwischen Fabian Pfaff und Charles Jaromir. Das Spiel versprach Spannung, da Charles noch vor einem Jahr Clublegende und Hobby-Pyromane Wigishoff geschlagen hatte. „Wenn der mich schlägt, kann er jeden schlagen“, räsonierte Dustin Brown-Groupie Wigishoff vor dem Spiel.  Pfaff ließ sich davon jedoch nicht beirren. In Vorbereitung auf das Match hatte er extra noch die Schlägermarke gewechselt, um seinem Spiel den nötigen Feinschliff zu verpassen und dieser Move wurde belohnt. Charles hatte nicht den Hauch einer Change und war Pfaffs druckvollen Schlägen ungeschützt ausgesetzt. Schnell stand es 6:0 6:0.

 

Das Spiel war entschieden. Nun konnte es nur noch darum gehen, Spielpraxis im Doppel für das anstehende Entscheidungsspiel gegen Stockach zu sammeln. Trotz der bereits feststehenden Niederlage boten die Spieler des TCK schlagkräftige Doppel auf und leisteten Widerstand. Dennoch setzten sich die potenziellen Oberligaspieler des TCN in allen Doppeln durch und tüteten so ein klares 9:0 im Lokalderby ein. Kurz vor dem entscheidenden Spiel am kommenden Wochenende präsentiert sich die Herrenmannschaft also in guter Verfassung. Hervorzuheben ist allerdings noch die Leistung von Kapitän Julien Wigishoff, der es schaffte, trotz Einsatz einer ganzen Flasche Grillanzünder das Klubhaus nicht abzufackeln.

 

Am Wochenende steht nun das Spiel des Jahres an. Für einige Spieler der Höhepunkt ihrer bisherigen Tenniskarriere. Um eine gute Vorbereitung zu gewährleisten verbot Denker und Lenker Bertsche jede Tätigkeit mit Verletzungsgefahr. Kochen, Radfahren und Einkaufen ist bis auf Weiteres verboten. Bei Verlassen des Hauses ist eine Schutzmaske zu tragen. Der Einsatz der Schlaghand bei jedweder Tätigkeit darf nur unter Einsatz von Schutzhandschuhen erfolgen.

 

Zum einen möchten wir uns bei unseren treuen Fans und den Zuschauern vom vergangenen Wochenende bedanken. Zum anderen möchten wir auch jeden Tennisfan aufrufen uns am Sonntag, den 16. Juli, ab 13 Uhr auf der Anlage des TC Stockach zu unterstützen . Nur so können wir im dortigen Hexenkessel bestehen und Historisches erreichen. Oberliga, wir kommen!

7:2 gegen Tiengen – der Countdown läuft…!

Am 5. Spieltag der Saison traf die erste Herrenmannschaft des Tc Nicolai auf die zweite Mannschaft des Tc RW Tiengen. Den Aufstieg fest im Blick, nahm man den Gegner ernst und Teile der Mannschaft trafen sich daher schon drei Stunden vor Spielbeginn zu Pasta mit kalten Soßen. Nachdem Platzwart Pfaff mit seinen Knechten Hellmeier und Wigishoff den Plätzen den letzten Schliff verlieh, konnte pünktlich um 13 Uhr die erste Runde, bestehend aus den Spielern Dominik Bertsche, Sebastian Hellmeier und Julien Wigishoff, beginnen.

Auf Position zwei eröffnete der ballsichere Bertsche gegen seinen schweizer Kontrahenten Yvon Häessig. Bertsche startete gut und lag schnell mit 5:3 vorne, bevor er einige Punkte in Folge verlor. Daher musste der erste Satz im Tie-Break die Entscheidung bringen. Hier behielt Häessig mit 7:4 die Oberhand. Im zweiten Satz kämpfte sich der Wahl-Schweizer aber wieder heran, grub Bälle aus allen Positionen den Platzes aus und brachte somit seinen Gegner öfters zur Verzweiflung, sodass der zweite Satz mit 6:4 an unseren Sportwart ging. Der Matchtiebreak musste demnach entscheiden. Hier zeigte Häessig gutes Tennis und Bertsche unterliefen ein paar Fehler zu viel, sodass er den Machttiebreak mit 5:10 abgeben musste. Trotz diesem Dämpfer sah Bertsche dies als perfektes Training für weitere wichtige Partien der Saison an.

An Position vier schlug wie immer der heißspornige Hühne Hellmeier aus dem kühlen Norden der Republik auf. Hellmeier, der in Tiengen gefürchtet wird wie kein Zweiter, nutzte den großen Respekt der Gegner aus und legte schnell mit 4:1 vor. Danach kam sein Gegner Matthias Pignol besser ins Spiel und um den ersten Satz mit 6:4 für sich zu entscheiden, musste Hellmeier sich ganz schön strecken, was ihm aber bei 1,95 Meter nicht sonderlich schwer fiel. Im zweiten Satz zeigte Hellmeier, warum ihn die Tiengener eigentlich nicht in dieser Liga sehen. Mit 6:0 fegte er seinen Gegner in Windeseile vom Platz und unterstrich seine hervorragende Form. Nur die ältesten im Club können sich noch an eine Einzelniederlage des angehenden Politikwissenschaftlers erinnern.

An Position 6 betrat das nicolaier Urgestein Julien Wigishoff den Platz – hochmotiviert seine Niederlage vom letzten Wochenende schnellstmöglich wieder gut zu machen. Er bekam es ebenfalls mit einem Schweizer namens Nevio Dux zu tun. Der wieselflinke Wigishoff kam von Anfang an gut in die Ballwechsel und überzeugte mit gekonnten Stopps und schön herausgespielten Punkten. Ein Break bei 2:2 reichte dem wieder aufschlagstarken Wigishoff, um den ersten Satz durch eine Dustin Brown-Gedächniskombination (Stopp-Lob) mit 6:4 für sich zu entscheiden. Der zweite Satz entwickelte sich ähnlich. Hier konnte der Brillenträger bei 3:3 das Break verbuchen. Wohlwissend jetzt nur noch ausservieren zu müssen, ging er in die entscheidende Phase des Spiels. Eine strittige Entscheidung, bei der sein Gegner weder Fingerspitzengefühl noch Fairplay bewies, warf den Mannschaftsführer aber wieder aus der Bahn, sodass der zweite Satz doch noch einmal spannend wurde. Nach kurzer Sammelphase und den richtigen Tipps von Coach Beermann holte sich der Publikumsliebling aber den zweiten Satz und damit das Match mit 7:5.

Mit einem 2:1 ging es demnach in die zweite Runde. Hier schlugen die Spieler Dennis Beermann, Fabian Pfaff und Joshua Demmler auf. Beermann bekam es mit Henry Ohl zu tun, der unserer Nummer eins im ersten Satz keine Chance ließ und diesen mit 6:1 für sich entschied. Beermann wollte zu oft ran und rauf gehen, machte aber dadurch zu viele Fehler. Coach Wigishoff baute den frustrierten Wahl-Badener aber wieder auf und mit einer neuen Strategie spielte der bewegliche Beermann wie ausgewechselt. Durch überlegte Schläge und starke Ballwechsel holte er sich den zweiten Satz im Eiltempo und verpasste seinem Gegner ein klassisches Monokel (6:0). Auch hier musste demnach der Matchtiebreak entscheiden. Hier dachte Wigishoff, wieder etwas Spannung reinbringen zu müssen und verschaffte dem Tiengener einen Vorteil, indem er während eines Ballwechsels zu früh das obligatorische „Come on“ verlauten ließ. Nach hitziger Diskussion einigten sich die Spieler auf eine Wiederholung des Ballwechsels. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass Wigishoff nur die Nervenstärke Beermanns testen wollte, um ihn für noch wichtige anstehende Aufgaben in der Saison vorzubereiten. Getragen von seinem guten zweiten Satz aber auch von einer mittlerweile leicht angetrunkenen Herren 30 Mannschaft gab Beermann alles, musste aber bei 7:9 zwei Matchbälle abwehren. Hier fightete er wie ein Löwe, riss das Publikum mit und drehte das Spiel noch sensationell mit 11:9! Ein gutes Match, dass dem ehrwürdigen Centercourt auf unserer Anlage würdig war.

An Position drei ging Platzwart und Materialexperte Fabian Pfaff an den Start. Seinen Gegner Marco Koliska kannte er noch gut von letztem Jahr - spielte er doch auch da gegen ihn und wehrte beim Sieg gar einen Matchball ab. So ging man dieses Jahr von einem ähnlich engen Match aus. Doch der Experte für Tennisequipment, der im Moment seinen achten Schläger in den letzten zwei Jahren testet, spielte stark und konzentriert auf und holte sich das Match souverän mit 6:2 und 6:3. Seine aufsteigende Form lässt für höhere Aufgaben hoffen. Nicht auszudenken, wie der pfiffige Pfaff spielen könnte, wenn er jetzt noch das richtige Griffband, die perfekte Seite und den für ihn zugeschnittenen Dämpfer ausfindig machen sollte.

An Position 5 kam Jung- und Neuling Joshua Demmler gegen Jonas Trenz zum Zug. Das Spiel gestaltete sich wie jedes andere in dieser bisherigen Saison. Der dominatnte Demmler beherrschte das Spiel nach Belieben und ließ seinem Gegner nicht den Hauch einer Chance. Bis zum 6:1/5:0 ließ er Trenz keine Luft zum Atmen. Dann aber fiel ihm auf, dass er in dieser Saison noch in keine Drucksituation gekommen ist und auch dies im Hinblick auf noch folgende wichtige Matches üben müsse. So ließ er seinen Gegner wieder ran kommen. Es entwickelte sich ein enges Match auf besserem Niveau und Demmler musste im zweiten Satz doch noch in den Tie-Break. Der designierte Nachfolger von Alexander Hold und Barbara Salesch hielt dem Druck aber stand und holte sich den zweiten Satz und damit den Sieg. Demmler fügt sich somit spielerisch perfekt in die Mannschaft ein. Wenn er jetzt noch lernt, dass das Bälle holen im Turbenried eine Selbstverständlichkeit ist, dann ist er in dieser Mannschaft endgültig angekommen.

Nach den Einzeln stand es demnach 5:1 für den TcN und der Sieg war dem Aufstiegsfavorit nicht mehr zu nehmen.  Dennoch ließ sich die Truppe vom Turbenried auch nach so einem Spielstand für die Doppelaufstellung Zeit – will man doch für den  Aufstieg bestmöglich vorbereitet sein. So ging man nach vergleichsweise kurzer Beratung, bei der die Option Beermann/Pfaff schnellstmöglich vom Tisch geräumt wurde, mit den Paarungen Bertsche/Pfaff, Beermann/Wigishoff und Hellmeier/Demmler in die Doppel.

Letztere dominierten ihre Gegner nach Belieben und siegten schnell und klar mit 6:1 und 6:1. Auch Beermann/ Wigishoff führten früh und ließen mit gekonnten Volleys aufhorchen. Gewann man den ersten Satz klar mit 6:2, ließ im zweiten Satz bei Wigishoff die Konzentration und bei Beermann die Kondition nach. Ein von Hellmeier rangebrachter Zitronenkuchen brachte Beermann jedoch wieder in die Spur und schließlich konnte der zweite Satz mit 6:4 erfolgreich gestaltet werden. Das Einserdoppel Bertsche/Pfaff tat sich jedoch schwer und lag deutlich mit 1:6 und 1:4 zurück. Angefeuert von einem immer betrunkener werdenden Publikum, kamen die beiden aber nochmal ran und gestalteten den zweiten Satz ausgeglichen, mussten sich aber letztendlich mit 4:6 geschlagen geben. Herren 30 Spieler Bastian Kopp fehlten angesichts des hohen Niveaus  im aktiven Bereich des Tennissports dennoch die Worte.

Mit einem überzeugenden 7:2 untermauerten die Nicolaier, dass in dieser Saison mehr drin ist als Platz 2. Die guten Leistungen müssen jetzt noch zwei weitere Wochen transportiert werden, um den ganz großen Coup zu schaffen und in die Oberliga aufzusteigen. An dieser Stelle gratulieren wir natürlich unserer Herren 30 Mannschaft, die diesen Schritt schon geschafft hat und in die Oberliga Herren 30 aufgestiegen ist. Auch der ersten Herrenmannschaft des Tc RW Tiengen gratulieren wir gerne zu einem sehr stark herausgespielten 9:0 gegen den großen Tc Radolfzell.

Bei gutem Essen und Cuba Libre wurde anschließend noch der Aufstieg der Herren 30 gefeiert und über den weiteren Saisonverlauf philosophiert. Gegen 4.15 Uhr am Morgen schlossen dann die Spieler Bertsche, Pfaff und Wigishoff  nach 19 stündigem Aufenthalt auf der Anlage das Clubheim ab.

Die erste Herrenmannschaft bedankt sich bei allen Zuschauer für das Kommen und die tolle Unterstützung. Nächste Woche findet auf unserer Anlage das Derby gegen den Tc Konstant statt. Wir hoffen auf zahlreiches Erscheinen bei unserem nächsten Schritt zum Aufstieg in die Oberliga.

 

Bis dahin beste Grüße

Eure 1. Herren



Tabellenführer gegen das Schlusslicht

Ein Spiel, das im Voraus wie eine klare Sache für den bisher so überzeugenden TCN schien, führte zwischenzeitlich zu Angstschweiß und Selbstreflexion.


Aber alles von vorn! Die Mannschaft des TCN traf sich, wie von Mannschaftsführer Wigishoff, der zu allem Erstaunen als erster am vereinbarten Treffpunkt erschien, angeordnet, zwei Stunden vor Spielbeginn. Dieser Umstand führte bereits zur ersten Grundsatzdiskussion des Tages. Frührentner Strick war derjenige, der größte Mühe hatte, sich aus dem Bett zu quälen und es nicht verstehen konnte, weshalb man sich derart früh treffen müsse. Diese beinahe schon hitzige Debatte wurde jedoch, von einem sehr autoritär auftretenden Wigishoff, durch ein Machtwort unterbunden. Er ist der Mannschaftsführer, also sei seinen Anweisungen stillschweigend zu folgen! Dies wurde so hingenommen, beinahe nichts mehr stand der Abfahrt entgegen. Nur Hellmeier, der zum Ärger des mannschaftlichen Chefkritikers Bertsche aus unverständlichen Gründen nicht anreisen konnte, fehlte. Hierzu Bertsche: „Von dem lasse ich mir nie wieder mangelnde Präsenz vorwerfen! Jeder weiß, dass man zwischen Mai und August sonntags Prioritäten setzen muss! Ich werde deshalb schon gar nicht mehr zu einer, am Sonntag stattfindenden, Hochzeit eingeladen. Aber der Helle bekommt es nicht einmal hin, wenn die Hochzeit an nem Samstag ist, am Sonntag auf dem Platz zu stehen! Das regt mich auf! Sowas ist Abfall in meinen Augen!“ Nach dieser emotionalen Kundgabe seiner Ansicht zum vorliegenden Thema ging es endlich los. Als Fahrer stellten sich diesmal Wigishoff in seinem Colt und Bertsche in einem Peugeot zur Verfügung. Wigishoff verunsicherte seine Mitfahrer erst durch nicht zu übersehende Folgen eines Auffahrunfalls seinerseits, danach bestätigte er das vorherrschende Meinungsbild des Kollektivs zu seinen Qualitäten als Fahrer durch das Abwürgen des Colts. Danach ging es jedoch rasant nach Singen, Wigishoff fuhr im Stile Michael Schumachers einen deutlichen Zehn-Minuten-Vorsprung auf den von Bertsche geführten Peugeot heraus, weshalb das Team die Anlage des DJKs nicht gemeinsam betreten konnte. Dies könnte natürlich auch damit zusammenhängen, dass der mittlerweile als Clublegende gefeierte und so sehr geschätzte Wigishoff zuvor die Mannschaft des DJK eine Saison lang schwächte und aufgrund dessen bessere Streckenkenntnisse hatte. Dem frühzeitigen Treffpunkt und dem Fahrstil Wigishoffs war es zu verdanken, dass Beermann, Demmler und Wigishoff noch vor der Heimmannschaft auf der Anlage des DJK aufliefen. Diese Zeit wurde perfekt genutzt, um die Sandplätze der Gegner kritisch zu inspizieren und sich danach intensiv warm zu spielen. Zwischenzeitlich hat auch das Auto Strick, Bertsche, Pfaff die Anlage gefunden. Zuerst machte sich Pfaff bemerkbar, der schon aus zehn Meter Entfernung Platzprobleme erkennen konnte. Sofort unterbrach er das Warmspielen, um sich eine fachmännische Meinung zu bilden. „Die Plätze sind viel zu weich! Da habt ihr ja schon durch euer Standtennis massive Krater reingerissen! Die haben die Plätze bestimmt nicht gründlich oder möglicherweise auch gar nicht eingeschlemmt und einen Courtbuggy besitzen die allem Anschein nach auch nicht. Kein Wunder, dass die Plätze nichts wurden. Bei uns hat es zwar zu einem sehr harten Sandplatz geführt, bei dem sich der Sand nach oben arbeitet, was ich wöchentlich beheben muss, aber deren Platzqualität ist wirklich grob!“ Nach der zweiten Diskussion, ob die Plätze überhaupt zu bespielen seien, ging es dann doch los. Als erstes betrat Demmler, aufgrund der Abwesenheit Hellmeiers auf Position vier vorgerückt, gegen Sitterberg (LK9) den Platz. Sein Gegner machte sich schon direkt beim Einspielen durch Vor - und Rückhände mit Überschallgeschwindigkeit Richtung Zaun bemerkbar. Dieser Eindruck bestätigte sich auch direkt im Match. Sitterberg schoss aus allen Lagen und raubte Demmler somit jeglichen Rhythmus und Einfluss auf das Spiel. Allerdings gab es aus Sicht Sitterbergs ein gewichtiges Problem, die Fehlerquote. So schlug er zwar schöne, beeindruckend schnelle Winner, doch egalisierte er diese direkt mit Schlägen selbigen Tempos an den Zaun. Folglich genügte es, dass Demmler, der teilweise seine Unzufriedenheit mit dieser Spielweise zum Ausdruck brachte, sich allein darauf konzentrierte die Bälle irgendwie ins Feld des Gegners zu spielen. Letztendlich führte dies zu einem klaren und soliden 6:1 6:2. Zwischenzeitlich haben auch Bertsche und Wigishoff ihre Plätze betreten. Bertsche forderte Meis (LK7) an Position 2 heraus. Nach äußerst schlechter Laune beim freitäglichen Abschlusstraining, wurde genau auf das Auftreten der Konstanzer Ballmaschine geachtet. Diesen Druck schien Domi zu benötigen, er zeigte direkt im ersten Satz, weshalb sein, in mancher Hinsicht beinahe schon zu selbstsicheres, Auftreten auf dem Court doch völlig angebracht ist. Seinem Gegner war es nicht einmal durch äußerst spektakuläre Schläge möglich, den Teilzeitkicker unter Druck zu setzen. So ging der erste Satz ohne Fehler Bertsches und mit einigen entzückenden Gewinnschlägen mit 6:0 zu Ende. Im zweiten Satz ließ Domi seinen Gegner zurück ins Spiel kommen, da er seine Dominanz etwas zurückfuhr, gewann diesen jedoch nahezu ungefährdet mit 6:3. Es schien alles den Vorstellungen der Nicolaiern entsprechend zu verlaufen, doch dann kam das Match Wigishoff/Dietrich (LK10). Wigishoff, der seinen Forderungen, in der spielfreien Zeit, an den Schlägen zu schleifen und so noch besser aus der Pause zu kommen, Folge leistete, spielte einige Turniere und konnte gar einen Erfolg gegen eine LK 7 verbuchen. Mit neu gewonnenem Selbstvertrauen und überzeugenden Leistungen betrat die Stimmungskanone den Platz. Doch dort wurde er schnell überrascht. Möglicherweise noch von seinem nächtlichen Ausflug am Freitag mit Fabi und Dennis beeinflusst, wurde er von einem recht überzeugenden Dietrich gekonnt ausgespielt. Auch Dennis, der sein bestmögliches auf der Bank als Coach gab, konnte den 2:6 Satzverlust nicht verhindern. Doch dann zeigten die Ratschläge und die extra auf das Match angefertigten Analysen des Mathematikers kurzzeitigen Erfolg. Juli erspielte sich eine 4:1 Führung und hatte gar Spielbälle zum 5:1, doch diese konnte er leider nicht nutzen. Diese kritische Situation überstanden zu haben, veranlasste Dietrich dazu, den Satz nicht abzuhaken und brach zugleich Wigishoff mental. Er begann erneut zu lamentieren und verlor den Einfluss auf das Match. So ging auch der zweite Satz mit 4:6 verloren. Ergo stand es nur noch 2:1 für die Turbenried-Gruppe. Daran konnten auch die riskante Äußerung des Mannschaftsführers, der wohl noch immer durch die Brille eines DTB-Ranglisten-Spielers sieht, an einem normalen Tag das Spiel locker zu gewinnen, nichts ändern. Nun begann die zweite Runde. Fabi Pfaff bekam es mit Sandro Jaray (LK8) zu tun. Aufgrund des schlechten Wetters und einer bevorstehenden Präsentation, konnte der FH-Student kaum trainieren, hinzu kam seine, schon oben gerügte, Abendgestaltung mit Herrn Wigishoff, die einer Bestleistung ebenfalls entgegen stand. Ob dessen wurde spannend erwartet, wie sich Fabi schlagen würde. Jaray spielte im ersten Satz wie ein Schweizer Uhrwerk, seine Vorhand schlug regelmäßig krachend ein und prägte den gesamten ersten Satz, der mit 6:1 verdient an den Schweizer ging. Doch Fabi kämpfte sich, wie man es von ihm gewohnt ist, trotz aller Probleme zurück in das Match, spielte ausschließlich Rückhandslice und erarbeitete sich auf diese Weise immer mehr Situationen seine so dominante Vorhand in Szene zu setzten. So gelang es ihm dem Druck des Gegners Stand zu halten und den zweiten Satz knapp mit 7:6 zu gewinnen. Der MTB war äußerst umkämpft und sehr knapp. Nachdem Fabi bereits zwei Matchbälle abwehren konnte, hatte er selbst die Möglichkeit beim Stande von 10:9 das Match für sich zu entscheiden. Diese Chance konnte er leider nicht nutzen und verlor infolgedessen mit 10:12 den MTB und damit das Match gegen einen starken, aber am Ende doch wackelnden Kontrahenten. 2:2! Und plötzlich wurde es richtig spannend! Beermann sah sich Mirko Richter (LK7) entgegengesetzt. Beermann, der zuletzt mit sehr starken Auftritten überzeugte, hatte dieses Mal große Probleme sein präpotentes Spiel auf den Platz zu bringen. Einen erheblichen Anteil an diesem Umstand hatte jedoch auch sein Widersacher. Der 2012 noch mit Lk 1 geführte Richter verweigerte Dennis besonders durch sehr präzise Passierschläge den Zugriff auf das Spiel, sodass sich dieser wie bei „Malen nach Zahlen“ fühlte. Dieses Match ging aus Sicht der Konstanzer mit 2:6 3:6 verloren. 2:3! Entgegen aller Erwartungen bestand nun tatsächlich die Gefahr, mit Rückstand in die Doppel gehen zu müssen. Doch zum Glück für die Turbenried-Gruppe hat sich Altmeister Strick dazu entschlossen, um den abwesenden Hellmeier zu ersetzen, noch einmal eine bedeutende Rolle im aktiven Herrentennis zu spielen. Im ersten Satz ging es sehr ausgeglichen einher, eine Ursache dafür könnte sein, dass Stricki nicht mehr an die Dynamik im aktiven Tennissport gewohnt war und sich deshalb, wie es bei den Senioren angemessen ist, sehr behäbig bewegte, andererseits konnte Maier (LK 10) immer wieder Punkte mit starken Vorhandschlägen für sich entscheiden. Dennoch ging der erste Satz mit 7:5 an Strick. Daraufhin gab es taktische Unterstützung, woraufhin der Winkelspieler die Rückhand Maiers attackierte und diesen mit Gewinnschlägen in den richtigen Momenten überrannte. Auf diese Weise gewann er den zweiten Satz überzeugend mit 6:1 für sich und rette den Konstanzern ein 3:3 nach den Einzeln. Nun musste die von allen Gegnern gefürchtete Doppelstärke der Herrenmannschaft des TCN den Sieg bescheren, sodass die Träume eines Aufstiegsspiels gegen den TC Stockach nicht vorzeitig zu begraben wären. Auch zu diesem Thema gab es eine knapp 30-minütige Besprechung, in der jegliche Doppelaufstellungen diskutiert wurden. Ein großes Thema war, dass das 3er Doppel nicht zu stark sein dürfte. Dies führte zu mehreren Fast-Entscheidungen, die letztendlich doch noch einmal geändert wurden, mit sich. Doch dann standen die Doppelpaarungen endgültig fest. Bertsche/Pfaff, Beermann/Wigishoff, Demmler/Strick! Demmler/Strick traten im 3er-Doppel an. Es wurde ein äußerst harmonisches und nahezu perfektes Doppel abgeliefert, dass den Gegnern (Maier/Dietrich) keine Chance lies. Sowohl konsequente Volleypunkte als auch druckvolles Grundlinienspiel konnte die gegnerischen Zuschauer verstummen lassen. Die Folge: 6:0 6:0! Die Paarung Beermann/Wigishoff sah sich Richter/Eisenbeiss gegenüber. Hierbei handelte es sich um eine sehr umkämpfte und mit schönem Volleyspiel geschmückte Partie, in der der TCN den ersten Satz mit 4:6 verlor. Davon ließ sich das Star-Doppel des TCN nicht verunsichern und gewann den zweiten Satz mit 6:2. Dies war vor allem dem wiedererstarkten Wigishoff zu verdanken, der äußerst gut servierte. Nun ging es in einen erneut eng umkämpften MTB. Beim Stande von 7:5 aus Sicht des TCN entschied sich Wigishoff mutig, mit dem zweiten Aufschlag ein Ass nach außen zu wagen. Dies blieb, nicht sonderlich überraschend, bei einem Versuch, denn der Ball verfehlte das Aufschlagfeld um einige Meter. So war das Minibreak wieder verloren, und es musste auch bei gegnerischem Aufschlag gepunktet werden. Dies erfolgte und Wigishoff erkämpfte beim Stande von 9:9 mit einem, für ihn fast schon rekordverdächtigen, Aufschlag den Matchball. Durch einen Doppelfehler Richters wurde das Match beendet und der Arbeitssieg stand fest. Bertsche/Pfaff hieß die Paarung im 1er-Doppel, die durch akrobatische Schmettervolleys Pfaffs und offensivem Spiel beider Akteure den Gegnern Meis/Jaray, trotz kleiner Nervositätsanfälle im Endeffekt keine Chance ließ. Durch ein 6:2 6:3 siegte der TCN doch recht komfortabel dank der eigenen Doppelstärke mit 6:3. Zufrieden konnte so in den Geburtstag Bertsches auf der Anlage am Turbenried gefeiert werden, wobei es sich Platzwart Pfaff nicht nehmen ließ um 21.30 Uhr die Plätze unter Wasser zu setzten und noch einmal mit dem Courtbuggy zu befahren.

Pfingstmeisterschaft eingetütet

Die Herrenmannschaft des TC Nicolai reiht Kantersieg an Kantersieg



Herren, 1. Bezirksliga: TC BW Erzingen – TC Nicolai Konstanz 1:8 (1:5)

Auch im dritten Spiel der Saison gab sich die Herrenmannschaft des TC Nicolai keine Blöße und manifestierte durch den dritten klaren Erfolg ihre Tabellenführung in der 1. Bezirksliga. Im Zuge der langen Auswärtsfahrt navigierte Teamkapitän Wigishoff die Turbenriedtruppe auf halber Strecke zu den Rheinfällen bei Schaffhausen, wie es sich vor Auswärtsspielen in der Region Hochrhein/Klettgau inzwischen zur Tradition entwickelt hat. Wigishoff, der seine Mannschaft neuerdings mit von wenig emotionaler Intelligenz zeugenden Sprachnachrichten zu unchristlichen Zeiten zur Ordnung aufzurufen pflegt, führte an, dass die Jungs auch mal über den Tellerrand des Tennis hinaus schauen sollten, um den Kopf frei zu bekommen. Bei der Anreise zum anliegenden zahlungspflichtigen Parkplatz fuhr besagter Mannschaftsführer leicht irritiert von einem fragwürdigen Fahrmanöver Dennis Beermanns, der einmal mehr das Führungsfahrzeug steuerte, so an die Schranke, dass seine Armlänge nicht ausreichte, um das Parkticket aus dem Automaten zu ziehen. Folglich stieg Beifahrer Sebastian Hellmeier aus dem Colt, um seinem Vorbild diese Arbeit abzunehmen. Diese Randnotiz gewann an Bedeutung, als dass das Schicksal nach dem Auffüllen der Kohlenhydratspeicher vor der Wasserfallkulisse bei der Rückkehr an den Parkplatz seinen Lauf nahm. Abfahrbereit fiel den Akteuren auf, dass sich der Parkausweis in Luft aufgelöst zu haben schien. Da es auch in einer 15-minütigen Suchaktion nicht wieder zu beschaffen war und Wigishoff während dieser nicht müde wurde sich von jeder Schuld rein zu waschen, wurde schnell Hellmeier als verantwortlicher Sündenbock ausgemacht. Folgerichtig bezahlte das lange Nordlicht die fällige und angemessene Strafe in Höhe von 50 Schweizer Franken, sodass das Team bei zwar windigem, aber doch schönem Tenniswetter noch pünktlich und vollzählig auf der Erzinger Tennisanlage eintraf.

Noch nicht ganz erholt von diesem monetären Schock eröffneten wie gehabt Dominik Bertsche, Hellmeier und Clublegende Wigishoff für den TC Nicolai, der zum dritten Mal in exakt der gleichen Aufstellung an den Start ging. An Position zwei hatte der derzeit etwas kriselnde Bertsche gegen den Schweizer Marcel Berger wieder einmal schwer mit der nicht vorhandenen Länge in seinen Schlägen zu kämpfen. Daher schlug von Beginn an ein von den zahlreich erschienenen Zuschauern frenetisch bejubelter Vorhandwinner nach dem anderen in Bertsches Feld ein. Drei fürchterliche Breaks später sah sich der Vielspieler verdientermaßen einem Satzrückstand gegenüber. In der Folge besann sich Bertsche – wie man es von ihm gewohnt ist – vor allem auf seine Kampfkraft, ohne seine spielerische Darbietung dabei nachhaltig zu verbessern. Er kam zu einem frühen Break und transportierte dieses dank leicht verbesserter Aufschlagleistung mehr oder weniger sicher zu einem schmucklosen 6:4 im zweiten Satz. Auch in einem von viel Kampf und Krampf geprägtem Matchtiebreak behielt der Wissenschaftler die Oberhand und stellte seine MTB-Karrierebilanz damit auf positiv.

Zeitgleich schwamm der von seinem freitäglichen Kinobesuch inspirierte Hamburger Hellmeier weiter auf seiner Welle des Erfolgs zu einem ansehnlichen und souveränen 6:3 im ersten Satz. Daraufhin wendete sich das Blatt zunächst, sodass der Genosse bei den teilweise unglaublichen Schlägen seines Gegners Alexander Schmid bis zum 1:4 nicht mehr wusste was oben und unten ist. Trotz dieser fahrenweise groben Unterlegenheit berappelte sich der Hardhitter, um nicht das zweite Mal innerhalb weniger Tage gegen einen Spieler mit zweistelliger LK in den Entscheidungssatz zu müssen. Durch seine neu gewonnene Nervenstärke vermied die Nummer vier des TCN dieses Missgeschick, welches ihm unter der Woche bereits bei einem Spiel der Unimannschaft unterlaufen war, und schaukelte den zweiten Satz mit einer Serie knapper, aber überzeugender Spielgewinne mit 6:4 nach Hause.

Auf dem Erzinger Centercourt machte Anführer Wigishoff die erste Runde gegen Dominik Netzhammer komplett. In seiner ihm eigenen Mischung aus Charme und Arroganz machte sich der Deutsch-Franzose auch in der Klettgauer Gemeinde einen Namen. Stets auf diesem schmalen Grat wandelnd machte sich das Training mit einem Jungsenioren-Regionalligisten unter der Woche bemerkbar. So sorgten knallharte Aufschläge gepaart mit facettenreichem Spiel von der Grundlinie dafür, dass Brillenträger Wigishoff seinem Gegenüber selbige ergebnistechnisch aufsetzen konnte. Ein Ergebnis, welches nach dem doch etwas holprigen Saisonstart Balsam auf die geschundene Seele des ehemaligen DTB-Ranglistenspielers sein dürfte.

In der zweiten Spielrunde traf der formstarke Dennis Beermann in Daniel Gamp auf einen körperlich etwas gehandicapten Gegner. In einer einseitigen Begegnung war nichts mehr davon zu sehen, dass Mathematiker Beermann für den bis dato einzigen Matchverlust der Saison verantwortlich zeichnet. So presste er seinen Kontrahenten von Beginn an in die Defensive und gab ihm keine Luft zum Atmen. So ging Beermann nach etwa einer Stunde Spielzeit hochzufrieden mit einem 6:1/6:1-Erfolg vom Platz. Der gebürtige Schwabe hat sich damit nicht nur die Anerkennung seines Gegners gesichert, sondern sich auch für höhere Aufgaben empfohlen. Denn eines ist sicher: die Tage werden kommen, an denen solche überzeugende Auftritte wie heute zur Makulatur werden und es um alles geht.

Auf dem Nebenplatz offenbarte Platzwart Fabian Pfaff zu Beginn gegen Kevin Schnabel größere Probleme mit seinem Schlagrepertoire. Eigene Fehler in Kombination mit der unangenehmen Spielanlage Schnabels führten daher zu einem unnötigen Satzverlust. Auch zu Beginn des zweiten Durchgangs kam der FH-Student zunächst nicht in Schwung. Dabei konnte man ihm jedoch attestieren, nichts unversucht zu lassen. Er griff zu allen Mitteln, doch als nicht einmal mehr der Volley mit seiner schwachen linken Hand funktionierte, verlor Pfaff die Fassung und drosch sein Spielgerät mit voller Wucht in die Erzinger rote Asche. Dabei hatte der Topspinfighter mehr Glück als Verstand sein Fischerfabrikat nicht in seine Einzelteile zu zerlegen. Trotz dieses Wutausbruchs kam nach dem 0:3-Rückstand das große Kämpferherz des Racketcracks von der Schwäbischen Alb zum Vorschein. Er holte Spiel um Spiel auf, um sich den Satzausgleich mit 6:4 zu sichern. Dass dies leider vergebene Mühe war, lag vor allem an Schnabel, der einen respektablen MTB spielte und diesen mit 10:5-Punkten vergleichsweise deutlich für sich entschied. Wenige Augenblicke nach seiner Niederlage äußerte sich Pfaff folgendermaßen: „Durch den Courtbuggy ist der Untergrund unserer Plätze ziemlich komprimiert. Das sorgt neben einer ausgezeichneten Härte auch dafür, dass das Wasser nur sehr langsam versickert. Außerdem hat sich der Sand etwas aus der zweiten Schicht herausgearbeitet. Ich werde die Pfingstpause nutzen, um etwas rote Asche abzutragen und eventuell noch einmal zu schlemmen.“

Somit fehlte den Schwarz-Rot-Weißen weiterhin ein Punkt zum vorzeitigen Erfolg. Diesen besorgte Neuzugang Joshua Demmler, der in der bisherigen Spielzeit vor allem durch freitägliche Abwesenheit beim Training glänzt. Jedoch hat der angehende Rechtsverdreher alle Argumente auf seiner Seite, kann man ihm bei seiner bisher so makellosen Bilanz nur schwerlich den mangelnden Trainingsfleiß anlasten. So führte er auch am dritten Spieltag Gegner Michael Hafner nach allen Regeln der Kunst vor. Dabei gab sich das Küken des TCN auch in seinem ersten Auswärtsspiel keinerlei Blöße und machte den Klassenunterschied zwischen ihm und dem frisch gebackenen Vater jederzeit deutlich. Am Ende beherrschte der Breisgauer seinen Gegenüber in allen Phasen des Matches und sorgte mit einem 6:1/6:2-Erfolg für die vorentscheidende 5:1-Führung nach den Einzelpartien.

Die Doppel der Positionen zwei und drei waren derart schnell vorüber, dass sich Beermann, Hellmeier, Demmler und Wigishoff im Anschluss noch eine interne Trainingseinheit auf dem Erzinger Hauptplatz verordneten. Während Hellmeier/Demmler nur ein einziges Spiel abgaben, profitierten Beermann/Wigishoff von der verletzungsbedingten Aufgabe der gegnerischen Paarung im Verlaufe eines engen ersten Durchgangs. Währenddessen verbrachte das Spitzendoppel Bertsche/Pfaff deutlich mehr Zeit mit ihrem Match. Bereits zum zweiten Mal an diesem Tag kassierte Bertsche drei Breaks in einem Satz, diesmal reichte es dennoch zu einem knappen 6:4. Der zweite Satz verlief deutlich flüssiger und die Konstanzer fuhren durch ein nie gefährdetes 6:3 den achten und letzten Punkt des Tages ein.

Damit sicherte sich die Mannschaft von der Jakobstraße die richtungsweisende Pfingstmeisterschaft, wobei sich derzeit der TC Stockach als hartnäckigster Verfolger heraus zu kristallisieren scheint. „Abgerechnet wird am siebten Spieltag, also am 16. Juli. Von der Pfingstmeisterschaft können wir uns nichts kaufen und wir werden diese daher auch nicht feiern. In der fünfwöchigen Pause steht für die meisten von uns Eimertraining auf dem Programm um die kleinen Unsauberkeiten aus den Schlägen zu bekommen. Wir melden uns zu Beginn der heißen Saisonphase am 25. Juni wieder“, fand kein geringerer als der Mann des Tages Wigishoff die abschließenden Worte.

11.05.2017

Gelungener Auftakt

In einem überzeugenden ersten Verbandsspiel weist der TC Nicolai den Aufsteiger in die Schranken

07.05.2017, Herren 1. Bezirksliga

TC Nicolai Konstanz 1 : TC GW Neustadt 1 – 8:1 (5:1)




„Das erste Spiel der Saison ist immer eine Geschichte mit ungewissem Ausgang. Die Spieler sind nervös, der Gegner nicht richtig einschätzbar und die Chance, dass der Kickaufschlag ins Feld geht, liegt bei 50%“. Diese Worte von Mannschaftsführer Julien Wigishoff beschreiben sehr gut den Drahtseilakt, den eine Tennismannschaft zum Saisonauftakt leisten muss. Bei unseren Herren kam am Sonntag noch das Wetter als zusätzliche Unsicherheit hinzu; regnete es doch vor dem eigens vorverlegten Verbandsspiel gegen die Mannschaft aus Neustadt die gesamte Nacht durch. Dies stellte den neu instituierten Platzwart des TC Nicolai, Fabian Pfaff, bereits auf die erste Probe, bevor noch ein Ball gespielt wurde. Würden die Plätze einigermaßen bespielbar sein? Sehr frühzeitig zeigte sich jedoch, dass er seine Jungs in dieser Hinsicht annähernd diktatorisch im Griff hat; so wurden auf sein Kommando (und nicht einen Moment früher) nicht sofort, sondern zum richtigen Zeitpunkt alle Maßnahmen ergriffen, die Pfützen zu trocknen und den Platz bespielbar zu machen. Der Courtbuggy, Abziehnetze, Schwämme und kontroverserweise auch rote Platzbesen wurden effektiv eingesetzt, sodass verhältnismäßig früh die erste Runde eröffnet werden konnte.

An Position 2 eröffnete Dominik Bertsche (LK6) gegen den in letzter Zeit verletzungsanfälligen Dennis Jendel (LK6). Unser geheimer Kopf der Mannschaft und Main Supporting Vocalist hatte im Trainingslager eine Leistungskurve gezeigt, die leider mit streng monoton fallend bezeichnet werden musste. Schnell zerstreute jedoch Domi einen Großteil der Zweifel an seiner Form, indem den ersten Satz, der vornehmlich von Jendels Fehlern geprägt wurde, schnell mit 6:1 für sich heimholte. Der zweite Satz gestaltete sich deutlich enger. Bei 5:4 und 6:5 vergab der Sliceliebhaber einige Chancen zum Matchgewinn und ließ Jendel, der ein ums andere Mal die 25-Sekunden-Regel zwischen Ballwechseln stark ausdehnte, in den Tie-Break. Hier zeigte der Neustädter gutes Tennis und zwang den Match-Tie-Break zur Entscheidung herbei. In einem Verlauf voller Höhen und Tiefen beider Spieler legte Domi schließlich einen sensationellen Stopball erfolgreich zum 10:7 ab und sicherte sich damit frühe erste LK-Punkte für die Saison.

Mit viel Spannung erwartet wurde an Position 4 das Match unseres Ausländers Sebastian „ Helle “ Hellmeier (LK7), der es mit Andreas Hofmeier (LK10) zu tun bekam. Helle, der sich im letztwöchigen Trainingslager am Gardasee eigenständig einen Kickaufschlag beibrachte, ist bekannt für seine knallharten Vorhände und haarsträubenden Doppelfehler. Die einen hatte er am Sonntag im Gepäck, während die anderen den Weg aus Italien anscheinend nicht zurückfanden: Mit einem klaren 6:0, 6:0 zeigte er sich erbarmungslos und verpasste die erste Brille der Liga. Sein Gegner nach dem Match: „Ich hätte gefühlt noch zwei Stunden weiterspielen können und wohl immer noch kein Spiel gemacht.“

Mannschaftsführer Julien Wigishoff, der bisher auf allen Teamevents mit Abwesenheit glänzte und der in den letzten vier Jahren die Wanderung von Position 1 auf Position 6 vollzog, hat momentan nicht den leichtesten Stand in der Mannschaft. Zu unsicher war die Form, zu langsam der Aufschlag, zu wenig spritzig die Beinarbeit, wie er es auch selbst sofort beteuern würde. Dementsprechend aufmerksam beäugte das Team sein Debüt gegen Carsten Weissmann (LK15), einen noch eher unerfahrenen Spieler. Julien haderte zwar mit sich und seiner Form, zeigte jedoch im ersten Satz Souveränität und legte ein pflichtmäßiges 6:2 hin. Der zweite Satz war von Genie und Wahnsinn geprägt, wie wir unseren Juli kennen und manchmal lieben: Zwar artete sein Stop-Spiel etwas ins Arrogante aus, doch konnte Weissmann ob seiner Netzschwäche nicht immer davon profitieren. Mehr schlecht als recht rettete sich dann unser Führer zum 6:4, ein akzeptables, wenn auch nicht vollständig überzeugendes Ergebnis. Das ganze Team ist jedoch davon überzeugt, dass mit zunehmender Matchpraxis die 100km/h-Marke beim Aufschlag durchbrochen werden kann.

In der zweiten Einzelrunde bekam es Dennis Beermann (LK6) mit Yannick Jendel (LK6) zu tun. Dennis, der im Trainingslager dieses Mal knapp dem Ganzkörperkrampf entging, tat sein Möglichstes, um der druckvollen Vorhand Jendels ebenso zu entgehen, wozu ihn auch Julien auf der Bank stets ermutigte. In einem Satz auf Augenhöhe hielt er ein ums andere Mal gegen den Aufschlagverlust und sah sich schließlich bei 6:6 im Tie-Break wieder. Hier zeigte Jendel starkes Tennis und verbuchte mit 7:3 den zweiten Satzgewinn für Neustadt. Mit Feuereifer startete Dennis in den zweiten Satz, eine stichhaltige Strategie von Julien auf der Agenda: „Platz öffnen über die Vorhand, Angriffsball auf die Rückhand, Volley vergasen, Amenakoi!“ Der Plan ging auf und Jendel, etwas überrascht, vergab ein frühes Aufschlagspiel, sodass Dennis zum 2:0 drehen durfte. Mit zunehmend geringer werdendem Einsatz in Jendels Aufschlagspielen und hoher Konzentration in den eigenen transportierte der jüngst ernannte Webmaster des TC Nicolai diese Führung zum 6:4, sodass der Match-Tie-Break die Entscheidung bringen musste. Hier wiederholte sich das Muster aus dem Tie-Break des ersten Satzes: Jendel spielte sehr überzeugend, während Dennis viele eigene Fehler nicht vermeiden konnte, sodass mit 4:10 der erste Punkt an Neustadt ging.

Der oben bereits erwähnte Fabian Pfaff (LK6) spielte im dritten Einzel zwei verschiedene Matches: Eines, das die Zuschauer zu sehen gaben und eines, das in seinem Kopf vorging. Gegen einen durchaus respektabel auftretenden Carsten Winter (LK8) brauchte Fabi, von dem wir bis jetzt erstaunlich wenig über Ausrüstung und Material zu hören bekamen, mehrere Satzbälle in zwei Spielen, bis er einen zum 7:5 verwandelte. Mit einem Wutschrei sondergleichen kommentierte er den Gewinn dieses Satzes, eine eher unpassende Äußerung, die jedoch verständlich wird, wenn man mit ihm spricht: „Ich ärgere mich darüber, dass ich solch eigentlich klare Kisten immer wieder eng mache, das kann doch nicht ewig so weitergehen“, war sein Kommentar zu Juli und Dennis, die ihn eigentlich zum Gewinn des Satzes beglückwünschen wollten. Im zweiten Satz fand er jedoch besser zu seiner Form und tütete diesen zügig mit 6:1 ein.

Schließlich debütierte an Position 5 der diesjährige Neuzugang der Herren, Joshua Demmler (LK7) gegen Mario-Luca Papa (LK13). Joshs Leistung ist ähnlich der von Julien schwer einzuschätzen, da er ebenfalls nicht am Trainingslager teilnahm, wenn auch aus völlig anderen Gründen. Auch weist er mit 21 Jahren deutlich weniger Lenze auf dem Buckel auf als der Rest der durchweg erfahrenen Mannschaft auf. Jegliche Zweifel verflogen jedoch schnell, als er in Rekordzeit seinen Gegner klar in die Schranken wies und die Anzeige auf 6:1, 6:0 stellte. Mit einem sensationellen Rückhand-Longline aus vollem Lauf beim Matchball spielte er außerdem wahrscheinlich den Schlag des Tages.

Somit stand es 5:1 und der Sieg unserer Jungs war besiegelt. Doch schien das Spiel die neu in der Liga auftretenden Neustädter wohl stark beansprucht zu haben: Alle klagten über Bein-, Arm- und Rückenbeschwerden, Anzeichen von Übelkeit sowie Pfeiffrischen Drüsenfiebers, sodass sie sich nicht imstande sahen, die Doppel zu bestreiten. Das Endergebnis lautete somit 8:1 für den TC Nicolai.

In anderen Spielen der Liga zeigten sich viele Mannschaften in ungeahnter Stärke. Wir von den Herren 1 sind sehr froh über diesen Trend und hoffen, dieses Jahr eine Gruppe mit starker Leistungsdichte und vielen engen Spielen vorzufinden und begrüßen die Herausforderung. Wir danken allen Gästen, die den Weg auf die Anlage gefunden haben und hoffen, viele von euch im nächsten Heimspiel am Sonntag, den 14.05. gegen den TC 1902 Überlingen 2 begrüßen zu dürfen. 

 

Es freuen sich auf euch beim nächsten Spiel,

Eure Herren